Litigation Buyout Insurance


Lesedauer: 1-2 Minuten
Mehrwerte: nach Lesen des Artikels ist Ihnen die Litigation Buyout Insurance inkl. ihrer Einsatzgebiete und Kosten vertraut
Autoren: Boris Prochazka & Nicolas Viet (MRH Trowe M&A Experten)


1.1. Definition und Einsatzgebiete der Litigation Buyout Versicherung

Die Litigation Buyout Insurance (LBO) gehört zu dem Cluster „Special Situation oder Contingent Risk Versicherungen“, die den Risikotransfer für bekannte Risiken ermöglichen. Daher, nicht dem originärem Versicherungsprinzip folgend, darf hier ein Schadenereignis dem Grunde nach beim Abschluss der Versicherung bekannt sein. Dem Risikomanager geben die Contingent Risk-Instrumente somit die wertvolle Möglichkeit zur Hand, auch in der Ausgangslage eines bekannten Risikos noch Transfermöglichkeiten zu nutzen und so sein Asset zu schützen.

In dieser Gruppe Contingent Risk Versicherungen deckt die Litigation Buyout Versicherung in erster Linie – wie der Name „Litigation“ (deutsch: Rechtsstreit) schon vermuten lässt, Risiken aus Rechtstreitigkeiten ab. Im engeren Sinne lässt sie sich wie folgt definieren:

„Finanzielle Absicherung eines negativen Ausgangs eines Rechtstreits bei anhängigen und drohenden Rechtsstreitigkeiten sowie Übernahme der anfallenden Rechtsverfolgungs- und Prozesskosten“

Des Weiteren erfreuen sich Litigation Buyout Versicherungslösungen auch zunehmender Beliebtheit, um z.B. Aktienkurs-relevante Streitfälle hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Aktienkurs abzumildern.

Rechtstreitigkeiten - Litigation Buyout Insurance als Lösung

In den letzten Jahren ist auch der Einsatz als Instrument der Bilanzpolitik zu beobachten, so kann die Bildung von Rückstellungen vermieden bzw. stark eingeschränkt werden. Außerdem können ungeprüfte Haftpflichtansprüche mittels einer LBO transferiert werden. Zwei praxisnahe Anwendungsfälle der Litigation Buyout Insurance möchten wir Ihnen gerne im Folgenden näher bringen:


Beispiel I: Der Verkäufer erwartet zeitnah eine Patentklage eines Wettbewerbers, die sich jedoch hinsichtlich Erfolgswahrscheinlichkeit und Schadenhöhe nur schwer einschätzen lässt. Die im Raum stehenden Forderungen der Gegenseite lassen eine weitere Nutzung unter den möglichen Auflagen nicht als sinnvoll erscheinen. Für den Interessenten ist jedoch gerade dieses Patent von Interesse – der Verlust des Patents hätte daher erheblichen Einfluss auf den Erfolg der Übernahme. Nach längeren Verhandlungen, die im Wesentlichen darum kreisten, dass es verschiedene Sichtweisen auf die Erfolgswahrscheinlichkeit gibt, wurden die Verhandlungen beinahe abgebrochen. Der Forderung eines entsprechenden hohen Escrows (Treuhandkontos) wurde schließlich mit dem Angebot einer Litigation Buyout Insurance entgegnet, die letztlich wirtschaftlicher die Forderungen des Interessenten abbilden konnte. Die Transaktion kam schließlich zustande.

„Wir sehen eine deutliche Zunahme an Nachfragen für eine Litigation Buyout Insurance. Neben klassischen M&A Transaktionen sind diese zusehends auch aus bilanzpolitisch motiviert“Nicolas Viet, Managing Director MRH Trowe Consulting

Beispiel II: Ein Einkaufszentrum-Besitzer wurde von seinen Pächtern verklagt, da sich die vollständige Fertigstellung des Einkaufszentrums (im Detail: des Parkhauses) entgegen getroffener Vereinbarungen verschoben hatte. Dem widersprach der Einkaufszentrum-Besitzer und verwies auf die fristgemäße Eröffnung des Einkaufszentrums und argumentierte, dass die Monate später erfolgte Fertigstellung des Parkhauses a) kein Planungsverschulden war und b) auch nicht Teil der vertraglichen Obliegenheiten war. Die Pächter hatten hierauf Klage erhoben.

Im Rahmen einer anorganischen Wachstumsstrategie will nun ein ausländischer Investor dieses Einkaufszentrum kaufen. Während der Einkaufszentrums-Besitzer das Risiko die Klage zu verlieren bzw. die Klage zu verlieren und den „substantiellen Streitwert“ der Klage zahlen zu müssen als sehr gering einschätzt, schätzt die ausländische Investorenseite das Risiko deutlich bedrohlicher ein. Als Lösung schließt der Einkaufszentrum-Besitzer eine Litigation Buyout Insurance als Exzedenten-Lösung ab. Zu einer sehr wirtschaftlichen Prämie garantiert die Versicherung den Investoren, den Betrag X übersteigenden Streitwert zu erstatten. Der Deal kommt zustande.

1.2.Versicherungssummen und Prämienniveau

Im Markt lassen sich Risiken bis zu 100 Mio. Euro platzieren; hierbei ist zu berücksichtigen, dass Litigation Buyout Versicherungen auf spezifische Risiken abstellen, sodass hier kein umfassender Garantienkatalog transferiert wird, sondern sehr ausgewählte einzelne Risiken. 

Wie eingangs des Artikels erwähnt hat die Litigation Buyout Insurance an Bedeutung gewonnen und wir seitens MRH Trowe erwarten eine weitere Zunahme der Nachfrage aufgrund des hohen Mehrwertes sowie steigender Bekanntheit des Produkts im Markt. Als Folge verhandeln wir laufend mit relevanten M&A Versicherern, um die Kapazitäten auszuweiten sowie aktuell noch nicht platzierbare Litigation Risiken künftig platzieren zu können. 

Hinsichtlich des Pricings konnten wir in den vergangenen Jahren ebenfalls erhebliche Verbesserungen für unsere Mandanten erzielen, sodass wir heute i.d.R. bei Prämiensätzen zwischen 2%-6% liegen. Lediglich Risiken mit hohem Schadenpotential bei gleichzeitig erheblicher Eintrittswahrscheinlichkeit des „Worst Cases“ sind nur zu höheren Prämiensätzen platzierbar. Insbesondere in Kombination mit der Warranty & Indemnity Versicherung lassen sich hier also sehr wirtschaftliche Transferkonzepte entwickeln.

1.3 Fazit zur Litigation Buyout Insurance

Die Litigation Buyout Insurance – analog sonstiger M&A Risiko Management Lösungen – gewinnt zunehmend an Bedeutung mit einem einhergehenden steigenden Bekanntheitsgrad im Markt. Die Einsatzfelder der Litigation Buyout Insurance haben sich in den vergangen Jahren sukzessive vom ursprünglichen Einsatzfeld M&A ausgeweitet  z.B. auf bilanzpolitische Maßnahmen.


Litigation Buyout Versicherung von MRH Trowe

Mit der steigenden Nachfrage hat auch das Interesse der Versicherungswirtschaft an diesem Produkt zugenommen, sodass mittlerweile ein Großteil der M&A Versicherer/Syndikate mit denen wir zusammenarbeiten diese Risiken mittlerweile zeichnet. Sollten Sie hierzu weitere Fragen haben, beraten wir Sie gerne – Ihr MRH Trowe M&A Risiko Management Team.

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Kurzprofile der Autoren

Litigation Buyout Experte Boris Prochazka

Rechtsanwalt und seit 2012 bei der MRH Trowe Group als Syndikus tätig, zudem „Head of Financial Lines“ und Prokurist bei der MRH Financial Lines GmbH. Dort u.a. verantwortlich für Key Accounts aus dem Bereich Financial Institutions. In letztgenannter Funktion fachverantwortlich für die Bereiche D&O- und E&O-, IPO-/Prospekthaftungs- und Litigation Buyout Insurance sowie M&A-Transaktionsdeckungen


Litigation Buyout Experte Nicolas Viet

Geschäftsführer der MRH Trowe Consulting und Mitglied des Executive Committees. Hr. Viet, seit 2007 bei MRH Trowe, hat sich neben der Führung des Geschäftsfelds Risiko Management dem Thema „Transaktionsrisiken“ verschrieben und berät hier unsere Kunden kompetent in unseren Deckungskonzepten (W&I, Litigation Buyout Insurance etc.)