Tax Indemnity Insurance


Lesedauer: ca. 2 Minuten
Mehrwerte: nach dem Lesen sind Ihnen die wesentlichen Einsatzgebiete und Besonderheiten einer Tax Indemnity Insurance bekannt
Autoren: Thomas Holle & Boris Prochazka (MRH Trowe M&A Experten)


Die Tax Indemnity Insurance (auch Tax Liability Insurance, Tax Opinion Insurance oder Tax Risk Policy genannt) dient – wie der Name vermuten lässt – dazu steuerliche Risiken von der Bilanz des Versicherungsnehmers auf die des Versicherers zu transferieren. Dies können z.B. eine unerwünschte Steuernachforderung durch eine neue Steuergesetzlage infolge eines Gerichtsurteils sein. Nicht ausschließlich, aber vor allem in M&A Transaktion wird für solche Situationen die Möglichkeit eines Risikotransfers genutzt. Will weder die Käufer- noch die Verkäuferseite dieses kaum beeinflussbare Risiko tragen, so kann die Tax Indemnity Insurance hier den „Gordischen Knoten“ auflösen.

Eine Besonderheit der Tax Indemnity Insurance ist, dass das Schutzversprechen auch bekannte Risiken umfasst, Wichtig ist hierbei jedoch, dass das Ereignis zwar bekannt sein darf, aber die Höhe und/oder Eintrittswahrscheinlichkeit noch unklar ist. Aufgrund dessen wird die Tax Indemnity auch zur Gruppe der Contingent Risk Policies gezählt. Ferner wird die Tax Indemnity Insurance sowohl von Verkäufer-, als auch von Käuferseite genutzt. Eine Zunahme an Nachfragen ist bspw. in Verkäufermärkten (z.B. Real Estate) zu beobachten, wo ein solcher Risikotransfer es erst ermöglicht die Bedingungen der Verkäuferseite wirtschaftlich tragbar erfüllen zu können.


Tax Indemnity Insurance als M&A Enabler

1.1 Exemplarische Einsatzgebiete der Tax Risk Policy

  • Drohende Umklassifizierung eines aktivierten Assets durch die Finanzbehörden mit steuerlichen Folgen
  • Unklare Steuerhoheit bei „grenzüberschreitenden“ Assets und nicht eindeutigen Länderabkommen
  • Einkommenssteuer-Auswirkungen im Falle von Management Buy-Outs (MBO)
  • Schutz vor steuerlichen Auswirkungen einer Reorganisation (z.B. Carve out)
  • Anerkennung von Verlustvorträgen werden im Rahmen einer Transaktion unterschiedlich eingeschätzt
  • Schafft Klarheit, wo Steuerbehörden es zum relevanten Zeitpunkt nicht leisten können

1.2 Beispiel Tax Indemnity Insurance

Ein chinesischerer Investor untersucht die Möglichkeit Mehrheitsaktionär bei einem bayerischen Maschinenbauunternehmen zu werden. Hierzu ist der chinesische Investor in exklusive Gespräche mit dem Firmeninhaber getreten.

Mit Blick auf die bislang gemachten negativen Erfahrungen mit deutschen Steuerbehörden sowie das aktuell sehr komplexe steuerliche Konstrukt der eigenen Investmentfirma, schätzt der chinesische Investor die Möglichkeit einer Nachbesteuerung einer Unternehmenstransaktion des Maschinenbauers als sehr hoch ein. Diese Meinung teilt der bayerische Maschinenbauer nicht und verweist auf die Einschätzung seines Steuerberaters. Die Bereitschaft hierfür eine Garantie zu geben, ist jedoch auch nicht gegeben, u.a. da keine substantielle Erhöhung des „bids“ angeboten wurde.

Nach mehreren gescheiterten Kompromissvorschlägen näherte sich das Ende des Zeitfensters für die exklusiven Gespräche. Als Lösung wurde seitens des chinesischen Investors eine Tax Indemnity Versicherung beauftragt mit einer Versicherungsperiode von 10 Jahren, sodass die Transaktion am Ende zustande kam.



Aufgrund ein zunehmender Volatilität im Unternehmenssteuerrecht bzw. steuerlicher Rechtssprechung ist ein vermehrter Einsatz dieses Risikomanagement-Instruments auch außerhalb von M&A Transaktionen zu beobachten. Das Hauptargument für die Tax Indemnity Insurance ist die Möglichkeit Planungssicherheit in ansonsten risikobehaftete Assets zu bekommen.

1.3 Versicherungssummen und Prämienniveau

Wie eingangs erwähnt, eröffnet die Tax Indemnity Insurance die Möglichkeit bereits bekannte Risiken zu transferieren. Infolge ist die Höhe der Versicherungsprämie im Einzelfall zu prüfen und stark von den Einschätzungen der Versicherer abhängig (Wie hoch ist die Eintrittswahrscheinlichkeit? Wie hoch wird der Schaden sein?). Wir empfehlen daher dringend bei solchen „individuellen“ Versicherungslösungen mit mehreren Versicherern professionelle Verhandlungen auf Augenhöhe zu führen.


Image Tax liability Insurance

Hinsichtlich des Prämiensatzes des noch jungen Produktes konnten wir zuletzt ebenfalls erhebliche Verbesserungen für unsere Mandanten erzielen, sodass wir heute i.d.R. bei Prämiensätzen zwischen 2%-6% für die Tax Indemnity Policy liegen – wie gesagt, ob 2% oder 6% oder in Ausnahmefällen höher ist fallbasiert zu prüfen. Zusätzlich ist in einer M&A Transaktion noch eine Kombination mit der Warranty & Indemnity Versicherung zu prüfen, die häufig eine sehr wirtschaftliche Lösung in Kombination mit der Tax Indemnity Insurance ermöglicht.

Mit der steigenden Nachfrage hat auch das Interesse der Versicherungswirtschaft an dem Produkt zugenommen, sodass mittlerweile ein Großteil der M&A Versicherer/Syndikate mit denen wir zusammenarbeiten diese Risiken nunmehr zeichnet. Sollten Sie hierzu weitere Fragen haben, beraten wir Sie gerne – Ihr MRH Trowe M&A Risiko Management Team

 

Fragen zur Tax Indemnity Insurance?

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Kurzprofile der Autoren

Thomas Holle_Tax Risk Policy Experte

Betriebswirt (European Business School, Oestrich-Winkel) und Mitglied des Executive Committees bei MRH Trowe. Vor seinem Einstieg in 2014 bei MRH Trowe war Hr. Holle u.a. als Head of M&A Business über 23 Jahre für einen internationalen Großmakler tätig.Auch bei uns hat sich Hr. Holle ganz dem Thema Transaktionsrisiken (u.a. Tax Liability Insurance) verschrieben. Hierzu zählt neben der kompetenten Beratung unserer Mandanten, die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Lösungen in unserem Team of Experts „Transaktionsrisiken“


Boris Prochazka_Tax Indemnity Insurance

Rechtsanwalt und seit 2012 bei der MRH TROWE Group als Syndikus tätig, zudem „Head of Financial Lines“ und Prokurist bei der MRH Financial Lines GmbH. Dort u.a. verantwortlich für Key Accounts aus dem Bereich Financial Institutions. In letztgenannter Funktion fachverantwortlich für die Bereiche D&O- und E&O-, M&A-Transaktions-, IPO-/Prospekthaftungs- und Tax Indemnity Insurance


Björn_Stressenreuter_Tax Indemnity Insurance

Herr Stressenreuter ist Betriebswirt mit Prädikatsabschlüssen in Master of Finance (Universität zu Köln) und CEMS MIM (Copenhagen Business School) sowie gelernter Versicherungskaufmann. Seit 2017 ist er als Managing Partner bei MRH Trowe Digital Solutions tätig. Vorher war er als Strategieberater u.a. in M&A Projekten (Leitung & Valuation) tätig. Schwerpunkt bei MRH Trowe ist die Schaffung „Digitaler Mehrwerte“ für Mandanten. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Portals zur Warranty & Indemnity Versicherung für unsere M&A Mandanten ist ihm ein Kernanliegen